Ich schaue wieder einmal „Quatsch“ wir Frau von Neulich zu sagen pflegt. Gut – in dem Fall ist es wirklich kein hochniveauvolles Qualitätsfernsehen, sondern einfach nur diese Tanzsendung auf RTL (ja ich gestehe 🙂 )
Gleich im ersten Einspieler sagt Ilse DeLange „Was man denkt, was unmöglich ist, ist nicht unmöglich. Wenn man eine Leidenschaft hat, dann ist es das Wichtigste, was es gibt… Und wenn eine Frage tief drinnen ist, da muss man suchen – da glaub‘ ich dran.„
„Leidenschaft“ denke ich mir. Das ist bei mir immer noch das Lesen und Sprache im generellen. Und das war ganz lange auch das Schreiben, das Erzählen von Geschichten. Und mit dieser Leidenschaft habe ich wohl auch einige Leute erreicht, was das Ganze umso schöner machte.
Mein letzter Beitrag liegt jetzt schon fast ein Jahr zurück und das tut mir leid, besonders für all‘ die treuen Leser, die wahrscheinlich immer wieder einmal vorbei geschaut haben und nichts Neues vorfanden.
Natürlich könnte ich mich jetzt auf die aktuellen Umstände rausreden, dass es eben nicht viel gibt, über das man momentan schreiben könnte, weil man das Haus ja eh nicht verlassen kann oder darf. Doch so einfach ist es leider nicht.
Wer meinen Blog bisher verfolgt hat, der wird herausgelesen haben, dass ich meine Bücherleidenschaft von Mama von Neulich geerbt habe. Und so verbinde ich natürlich auch beim Schreiben ganz viele Erinnerungen mit ihr. Seit sie nicht mehr da ist, ist mir irgendwie auch die Lust am Schreiben abhanden gekommen. Oder vielmehr hat es mir Angst gemacht, den Computer hochzufahren und nichts mehr schreiben zu können. Weil loszuschreiben bedeutet hätte so weiterzumachen, als wäre alles beim Alten, als hätte sich nichts geändert. Und auch Angst davor plötzlich vor einer leeren Seite zu sitzen und von den Erinnerungen überrollt zu werden. Angst davor, dass das Schreiben etwas an die Oberfläche bringt, dem ich lieber nicht entgegentreten will.
Denn bis jetzt hat es immer ganz gut funktioniert, die aufkommende Trauer durch schöne Erinnerungen zu „überlisten“. Natürlich bin ich traurig und natürlich fehlt mir meine Mama. Aber ich dachte früher immer, wenn es einmal soweit ist (und in meiner Vorstellung war das frühestens in 15 Jahre), dann würde ich in ein tiefes Loch fallen. Ein Loch, das mich mit Dunkelheit und Trauer umschließt und aus dem ich lange nicht herauskäme. Doch das Loch kam nicht. Vielmehr kommen eben jedes Mal die schönen Erinnerungen, die mich mit einem Lächeln beschenken, dass wir so viel schöne gemeinsame Zeit miteinander (und natürlich mit der ganzen Familie) hatten.
Und dann stelle ich mir manchmal die Frage „Ist das so richtig? Darf man so trauern? Ohne Zusammenbrüche und öffentliche Tränen?“. Eine blöde Frage – ich weiß. Jeder geht anders damit um und es muss am Ende schließlich für mich passen. Aber manchmal ist man halt doch sehr geprägt von dem „was denken wohl die Anderen“.
Was die anderen denken ist mir dabei eigentlich egal. Was mir nicht egal ist, ist die Frage nach dem Wann. Wann tut sich dieses Loch auf? Vielleicht in einem Monat, vielleicht in einem Jahr, vielleicht nie?
In Ilse DeLanges Song „Love goes on“ heißt es:
„Please don’t think that I’ve forgotten
Who you were and are to me
There’s a safe place in my heart
There you’ll always be with me
Years pass by and we get older
There’s so much you didn’t see
But your hands still on my shoulder
Much more than a memory“.
Jedes Mal, wenn ich das höre, trifft es mich mitten ins Herz. Da ist zuerst das Bewusstsein, dass nichts mehr so ist, wie es war. Aber dann kommt auch sofort wieder das Wissen, dass sie eben doch immer bei mir ist. In meinem Herzen, an meiner Seite. Fast täglich finde ich mich in einer Situation wieder, in der ich denke „Das muss ich ihr erzählen“. Dann wird mir sofort bewusst, dass das nicht mehr möglich ist. Und im selben Moment denke ich mir „Ist egal, ich muss das nicht erzählen – sie ist ja eh dabei gewesen“.
Wie ich also so da sitze und Ilse mittlerweile beim Tanzen zuschaue, wird mir bewusst, dass die Leidenschaft für das Schreiben immer noch in mir steckt. Und dass das Unmögliche nicht möglich wird, wenn man nur da sitzt und nichts tut. Und auch auf die Gefahr hin, dass dieses Loch sich doch irgendwann auf tut, ist es doch besser, das Risiko ein- und seiner Leidenschaft nachzugehen, als nichts zu tun. Das wird mir klar, als ich Ilse zuhöre. Neulich. Im TV.
Liebe Frau Neulich ….
Ich möchte dir sagen, das mich deine aktuelle Geschichte sehr berührt.
Wie gerne würde ich dieses genannte „Loch“ mit Watte auslegen, damit du…solltest du wirklich mal fallen…weich landest.
In tiefer Verbundenheit 💫
Ich gebe zu, ich schaue selten vorbei, hier (das merkt man daran, das ich Deinen neusten Beitrag erst heute entdeckt habe). Aber vielen Dank, dass Du wieder schreibst. Wenn da dieses Mal auch etwas sehr trauriges mit drin steckt. Aber eben auch Dein Hinweis auf schönes. Viele schöne Gedanken an Erlebnisse, die nur Dir und Deiner Mutter gehören.
Mein aufrichtiges Beileid!
Es ist zwar sehr, sehr lange her, aber ich bin froh, dass auch ich Deine Mutter als sehr herzliche Frau kennen lernen durfte.
Danke, das ist wirklich lieb von dir!