Ich sitze vor dem Fernseher und schaue wieder einmal „Sing meinen Song“. Da zitiert Stefanie Kloß von Silbermond ihre Schwester, die das Leben mit einem Zug vergleicht, in den verschiedene Menschen einsteigen. Manche von ihnen begleiten einen ein Leben lang, manche haben vielleicht nur eine Kurzstrecke gebucht.
„Das Leben ist wie ein Zug. Menschen steigen ein und begleiten dich. Und einige bleiben lange, dann steigen sie wieder aus. Dann kommen Menschen zu dir dazu, haben vielleicht nur ’ne Kurzstrecke gebucht, die aber auch schön sein…“
Stefanie Kloß (Silbermond) zitiert ihre Schwester
„Stimmt“, denke ich mir und meine Gedanken wandern weiter zu den Menschen, die mich in meinem Leben nur ein kurzes Stück begleitet haben. Mir fällt auf, dass es sehr häufig Personen gab, die nur „eine Kurzstrecke gebucht hatten“, es aber zu jener Zeit genau richtig und wichtig war, dass sie „mit mir im Zug saßen“. Ich habe von ihnen gelernt, sie haben mich unterstützt und mir emotionalen Halt gegeben. Insbesondere ab dem Zeitpunkt, als ich mit der Ausbildung begann und nicht mehr zu Hause wohnte, also sozusagen das gewohnte Umfeld verließ, waren diese Menschen äußerst wichtig für mich.
Ob es die Schulkollegin in der Hotelfachschule war, mit der das Internatsleben unglaublich viel Spaß machte. Oder die Chefin im ersten Job, die mich förderte und nach München abwarb. Oder die Zimmernachbarin im Personalhaus, mit der ich häufig kleine Briefchen austauschte, die für mich Lichtblicke im stressigen Arbeitsalltag darstellten.
„Weine nicht, weil es vorüber ist, sondern lächle, weil es so schön war.“
Gabriel García Márquez
Umso trauriger ist es, dass diese Personen nach einer gewissen Zeit wieder „aus dem Zug ausstiegen“. Und dass es sich dabei nicht um einen Abschied auf Zeit, sondern um einen Abschied für immer handelte. Scheinbar war es „Zeit, die gemeinsame Reise zu beenden“.
Doch glücklicherweise gibt es auch jene Menschen, die eine „Dauerkarte für meinen Zug gebucht haben“. Die beste Freundin aus der Schulzeit, mit der immer noch Kontakt besteht, Frau Freundin von Neulich aus Wien, die gekommen ist, um zu bleiben und mir tief ins Herz gewachsen ist oder auch „die Fremde“ aus Florenz.
Ihren „Einstieg in den Zug“ (also den der Fremden aus Florenz,) könnte man mit einem „Nothalt“ vergleichen, denn in diesem Moment schien alles stehen zu bleiben. Die „gemeinsame Reise unserer Freundschaft nahm wahnsinnig schnell an Fahrt auf“, weil wir das Gefühl hatten, uns schon eine Ewigkeit zu kennen, obwohl wir uns doch gerade erst begegnet waren. Warum das so ist, ich weiß es nicht. Vielleicht hat es damit zu tun, dass sie anders ist, als die anderen. Offen, herzerfrischend ehrlich, kritisch, hinterfragend, herzensgut, hilfsbereit, es sich nie einfach machend. Nach außen immer positiv, ein Sonnenschein, ein Stehauffräulein – nein, eine starke Frau, die immer wieder aufsteht, egal wie hart das Leben sie trifft. Doch im Prinzip ist das Warum auch egal. Viel wichtiger ist es, einen weiteren, besonderen Menschen „in meinem Zug begrüßen zu können“, der – wie es scheint – ebenfalls eine „Dauerkarte“ gebucht hat.
Wohl wissend, dass extrem tolle Menschen „mit mir im Zug sitzen“, freue ich mich auf die „Weiterreise“. Während ich so dasitze. Neulich. In Gedanken.