Ich stehe so da und überlege, was ich als nächstes lesen könnte. Ich nehme dieses und jenes Buch in die Hand, aber so richtig spricht mich keines an. Und als ich so vor mich hin grüble und mich zum nächsten Bücherregal begebe (ja, wir haben mehrere, weil in das eine nicht mehr all unsere Bücher hinein passen – wie schöööön), fällt mein Blick auf einmal auf eine Buchreihe, die ich als Kind geliebt habe: Bille und Zottel.
Ich habe früher eigentlich nicht dem Klischee eines „typischen Mädchens“ entsprochen, habe nicht mit Puppen gespielt oder für Pferde geschwärmt. Aber diese Bücher über Bille und ihr verrücktes, verfressenes Pony habe ich geliebt. Und die Bücher waren ein fester Bestandteil auf jedem Wunschzettel.
Während ich also die Bille und Zottel Bücher sammelte, waren es für Schwester von Neulich die Dolly Bücher von Enid Blyton, die ich ebenfalls verschlungen habe. Und wenn ich nach dem Lesen der Bille und Zottel Bücher dann doch eine Zeit lang reiten wollte, konnte ich mir nach den Dolly Büchern nichts Besseres vorstellen, als auf ein Internat zu gehen.
„Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe!“
Pippi Langstrumpf
Natürlich begleiteten mich in meiner Kindheit auch sämtliche Bücher von Astrid Lindgren. Stolz war ich, weil Mama von Neulich mich Pippilotta nannte – wahrscheinlich weil ich mindestens genauso viele Flausen im Kopf hatte, wie Pippi Langstrumpf. Mit Ronja Räubertochter habe ich mitgefiebert, getrauert und gelacht, mich vor den Wilddruden gefürchtet und bei den Rumpelwichten gerufen „Pfui, pfui. Wiesu denn bluss, wieso tut sie su?“. Ich wollte genauso kleine Holzfiguren schnitzen können wie Michel aus Lönneberga und träumte davon, wie die Kinder aus Bullerbü den Sommer zu verbringen. Glücklicherweise habe ich nicht versucht wie Madita mit einem Schirm vom Dach zu springen oder meinen Kopf in eine Suppenschüssel zu stecken. Allerdings musste mich Papa von Neulich einmal aus dem Treppengeländer meiner Oma retten, durch das ich den Kopf gesteckt hatte und mich selbst nicht mehr befreien konnte.
Auch Erich Kästner durfte natürlich nicht fehlen. Hier habe ich nicht nur die Bücher gelesen, sondern auch die alten Schwarzweiß-Filme geliebt. Das doppelte Lottchen, Pünktchen und Anton oder Das fliegende Klassenzimmer wurden wieder und wieder gemeinsam mit Mama von Neulich angesehen.
„Die drei ??? – wir übernehmen jeden Fall. Erster Detektiv Justus Jonas, zweiter Detektiv Peter Shaw, Recherchen & Archiv Bob Andrews.“
Jede drei ??? Folge. Jede!
Zu den Helden meiner Kindheit gehörten natürlich auch kluge Köpfe wie TKKG, die fünf Freunde oder die drei ???. Letztere sind mir seit über 30 Jahren treue Begleiter. Ich kann mich noch erinnern, als ich die erste Folge hörte, bei meiner Cousine in der Nähe von Hamburg, die damals die Hörspiele auf Schallplatte hatte.
Viele weitere Geschichten fallen mir ein, die mich während meiner Kindheit und Jugend begleitet haben. Die mich zum Nachdenken gebracht, mich durch Winterabende und Sommerferien begleitet und mich in andere Welten entführt haben. Die meine Fantasie angeregt und meine Liebe zur Sprache geweckt haben. Und so nehme ich mit einem Lächeln den ersten Band der Bille und Zottel Reihe in die Hand. Neulich aus dem Bücherregal.