Da sind Worte. Überall Worte. Und Buchstaben. Plötzlich dreht sich in meinem Leben alles um Sprache. Lesen – schon sooooo lange. Schreiben – seit etwas mehr als einem Jahr, ja wirklich. Bin selbst ein wenig stolz. Und nun auch noch sprechen, vorlesen, Texte mit Stimme formen. Das ist fast noch spannender als lesen und schreiben. Während beim Lesen Bilder im Kopf lebendig werden, ganze Welten durch die eigene Fantasie zum Leben erwachen, kann man beim Schreiben eigene Figuren erschaffen, kann Geschichten eine eigene Wendung geben und Dinge geschehen lassen, die der Realität völlig widersprechen.
Aber beim Vorlesen kann man all diese Dinge miteinander verbinden. Zuerst muss man sich intensiv mit der Geschichte auseinander setzen, starke Bilder erzeugen und sich in die Figuren hinein fühlen. Und dann kann man der Geschichte und den Figuren durch die eigene Erzählweise eine ganz eigene Intensität verleihen.
An dieser Stelle ein großes Dankeschön an die tollen Trainer der Sprecher Akademie!
Man kann schnell und langsam lesen, mit den Geschwindigkeiten spielen und damit Spannung erzeugen. Man kann der Stimme eine frohe, düstere oder geheimnisvolle Note geben und die Geschichte so in eine bestimmte Richtung lenken. Und vor allem kann man dabei so richtig mitgehen, in die Geschichte eintauchen, sie miterleben – denn das gibt dem ganzen die nötige Authentizität.
Worte und Sprache haben mich schon immer fasziniert und mein Leben lang begleitet. Glücklicherweise hat sich Schwester von Neulich erbarmt, mir mit fünf Jahren lesen und schreiben beizubringen – das hat sie sicherlich viel Geduld gekostet, aber ich hatte schon damals unheimlich viel Spaß daran. Am liebsten hätte ich schon damals Bücher gelesen, aber da musste ich mich leider noch ein wenig gedulden. Als meine Lesekünste dann endlich gut genug ausgeprägt waren, sind wir immer in die städtische Bücherei gefahren und ich durfte mir voller Stolz selbst meine Bücher aussuchen. Als diese Bücherei dann abbrannte, war das ein ziemlicher Schock – ich war wirklich traurig. Und noch heute bereitet es mir fast körperliche Schmerzen, wenn jemand bei einem Taschenbuch Umschlag und Seiten nach hinten umfaltet oder gar Seiten heraus trennt.
Warum ich so lange gebraucht habe den Sprung vom Lesen zum Schreiben zu machen? Ich weiß es nicht. Aber dann habe ich festgestellt, dass es – einmal damit angefangen – ganz flüssig aus mir heraus fließt. Und dass es mir Spaß macht.
Und nun… nun hab‘ ich auch noch ein wenig hinein schnuppern dürfen in die großartigen Möglichkeiten, die die eigene Stimme bietet. Wer Frau von Neulich fragt, der wird erfahren, dass ich zu Hause oft die Klappe nicht zubekomme. Ob das jetzt also für sie ein Fluch oder ein Segen ist, das sei einmal dahin gestellt.
„Für ein gutes Gespräch sind die Pausen genauso wichtig wie die Worte.“
Heimito von Doderer
Fakt ist – auch das macht unheimlich Spaß. Und es erklärt vielleicht auch ein wenig, warum es in den letzten Wochen ein wenig ruhiger war. Ich war einfach ziemlich beschäftigt. Und da war einfach unheimlich viel los. Neulich. In meinen Gedanken.