Frau Neulich macht jetzt auf Kultur. Ich habe das Glück zu den Bregenzer Festspielen eingeladen worden zu sein. Frau von Neulich ist natürlich auch dabei sowie Schwester und Schwiegermama. Turandot von Giacomo Puccini wird aufgeführt und wir freuen uns alle schon riesig.
Wir fahren mit dem Zug zunächst nach Dornbirn, wo wir unser schickes Hotel beziehen. Nach einem kleinen Stadtbummel wird es langsam Zeit, sich hübsch zu machen für den Abend. Um acht Uhr holt uns der Shuttlebus vom Hotel ab und bringt uns nach Bregenz. Wir kommen gerade rechtzeitig, um die Sonne hinter der prachtvollen Kulisse im Bodensee versinken zu sehen – allein dieses Schauspiel ist atemberaubend.
Nach und nach strömen immer mehr Besucher auf das Festspielgelände und nehmen ihre Plätze ein. Und dann – endlich – ist es soweit. Die ersten Töne erklingen, ein Stück der Mauer bricht spektakulär in sich zusammen und die Aufführung zieht mich voll in ihren Bann.
Und dann – für einen kurzen Augenblick – ist da ein Gefühl, ein Moment des Unwohlseins. Nach den vermehrten Anschlägen der letzten Tage in Bayern schleicht sich ein „Was wäre wenn“ in meine Gedanken. Und das macht mich wütend! Wo es doch gerade bei dieser Oper darum geht, dass die Liebe stärker ist, als die Angst. Wo doch Musik und Kultur schon immer Menschen aus aller Welt zusammen gebracht haben. Wo doch über 1.000 Menschen unterschiedlichster Nationalitäten friedlich zusammen gearbeitet haben, um dieses Meisterwerk zu realisieren.
„Nessun dorma…“
Aus Turandot, Giacomo Puccini
Nessun dorma – keiner schlafe. Aber nicht aus Angst, sondern aus Liebe und Zuversicht. Fast 7.000 Menschen sind zusammen gekommen, um den Sieg der Liebe über die Unsicherheit und die daraus resultierende Gewalt mitzuerleben. Fast 7.000 Menschen aus aller Welt sitzen friedlich nebeneinander und genießen die letzte Oper eines Italieners, deren Handlung in China spielt, aufgeführt in Österreich. Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen und uns aus Angst zuhause einschließen. Wir müssen zusammen stehen, gegen Gewalt und Hass. Wir müssen jeden Tag aufs Neue Zeichen setzen, wo es uns möglich ist – auch im Kleinen – damit Hass gegen Minderheiten keine Chance hat!
Und so gebe ich dem Moment des Unwohlseins bewusst keine Chance, denn wenn wir solche Momente zulassen, haben die, die Hass und Gewalt schüren, wieder ein kleines Stück gewonnen.
Und so konzentriere ich mich wieder auf das Schöne, Einzigartige, Wundervolle. Neulich. Bei den Bregenzer Festspielen.