Second Screen. Third Screen. Nebenbei noch die Zeitung. Alles auf einmal machen. Der Fluch der Zeit. Man will alles gleichzeitig und macht doch nichts so richtig. Konzentriert. Mit Hingabe.
Ich sitze am Sofa und schau fern mit Frau von Neulich. Irgendwann greife ich zum Handy. Ein bisschen spielen ist ja auch ganz nett. Und so ganz nebenbei verpasse ich die Hälfte der Serie.
Ich sitze am PC und lese einen Artikel. Ein Link. Ein Klick. Weg bin ich auf der nächsten Seite – nur schnell schauen, um was es da eigentlich geht. Und verliere mich in den Weiten des World Wide Web.
Wir sitzen beim Essen mit Freunden und Familie. Ein Handy klingelt. Der Angerufene springt hektisch auf, lässt das gute Essen stehen und kalt werden und alle anderen irritiert zurück.
Immer erreichbar sein. Immer reagieren. Alles gleichzeitig machen, um ja nichts zu vergessen, zu verpassen. Um sich mehr Zeit zu schaffen? Ist das so? Hat man dann wirklich mehr Zeit oder rutscht man nur noch von einem Multitasking zum nächsten?
Wer kann heute noch das Hier und Jetzt in vollen Zügen genieße? Wer kann im Urlaub einmal nur in die Ferne schauen, nichts tun, nichts denken, einfach nur sein?
Wer kann heute noch ohne Handy am Leben teilnehmen? Kein Facebook, kein WhatsApp, kein Twitter, kein „ich muss eben mal schnell schauen“ oder „ich muss das schnell mit meinem ‚Freunden‘ teilen“, obwohl diese doch eigentlich am gleichen Tisch sitzen?
Wenn ich heute unterwegs bin und sehe am Nebentisch ein Paar sitzen, von der Terrasse aus ein herrlicher Blick auf einen Sonnenuntergang, der schöner nicht sein kann – und beide tippen ins Handy, dann frage ich mich, warum sie eigentlich hier sind, ob bzw. warum ihnen der kleine Kasten wichtiger ist, als dieses einzigartige Naturschauspiel, dass sich da gerade abspielt.
Oder wenn am Nebentisch eine Gruppe mit 10 oder mehr jungen Leuten sitzt, die sich nicht miteinander unterhalten, sondern nur auf ihre iphones und Samsungs usw. starren, dann frage ich mich – unterhalten die sich jetzt gerade über’s Handy? Bekommen sie eigentlich mit, was ihnen da entgeht an Geselligkeit, Freude, schöne Stunden mit Freunden, die in Erinnerung bleiben?
Früher war auch nicht alles besser…
Ich will jetzt garnicht sagen, dass früher alles besser war. Auch ich bin froh, dass ich unterwegs nicht mehr nach einer Telefonzelle suchen muss – und nach passendem Kleingeld. Auch ich bin dankbar, dass es möglich ist, mit Freunden und Familie schnell in Kontakt sein zu können, Fotos zu schicken und so ein wenig am Leben der anderen teilhaben zu können.
Doch sollten wir nicht vergessen, dass es hinter dem Screen auch noch ein Leben gibt. Mit echten Menschen, mit Natur, mit Genuss und Spaß und Gefühlen. Und dass nur das Leben da draußen uns Momente beschert, an die wir uns später mit einem Lächeln zurückerinnern werden. Denn wer will schon sagen „Weißt du noch, damals, als wir gemeinsam ins Handy geschaut haben…“.
Und so sitze ich jetzt hier und schreibe. Bewusst. Nur konzentriert auf diesen Artikel. Ohne Musik im Hintergrund. Ohne eine Unterhaltung „nebenher“. Neulich. Am Sofa.
Ohne Handy wäre der Kontakt zu euch noch gaaaaaaaaanz viel schwieriger… also ich bin froh um die „neue“ Technik… wenngleich du Recht hast, dass es oft überhand nimmt.